Definition
Eine nicht-physikalische Zunahme der berechneten Energie in einem numerischen Modell über die Zeit, die nicht durch reale Energiezufuhr oder die tatsächliche Dynamik des Systems erklärt wird und typischerweise durch Diskretisierungsfehler, instabile Zeitintegration oder fehlerhafte Kopplung zwischen Untermethoden entsteht.

Prinzip

Prinzip
Numerische Repräsentationen müssen die energetische Bilanz des kontinuierlichen Systems respektieren: Diskretisierungen und Kopplungsschemata sollten Energie in einer mit der zugrundeliegenden Physik oder einer kontrollierten numerischen Regularisierung konsistenten Weise konservieren, dissipieren oder übertragen.

Demonstration

Demonstration
Ein explizites Zeitintegrationsverfahren für die Wellengleichung mit einem zu großen Zeitschritt erzeugt wachsende diskrete L2-Energie; oder ein partitioniertes Fluid-Struktur-Kopplungsverfahren fügt an der Schnittstelle Energie hinzu, weil das Kopplungsverfahren keine wechselseitige Arbeitsbilanz erzwingt.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die numerisch verursachte Energiezunahme als Hinweis auf eine reale externe Anregung zu deuten oder willkürliche Dämpfung einzuführen, ohne die diskrete Ursache zu untersuchen, was Modellmängel verschleiern und zu verzerrten Ergebnissen führen kann.

Konsequenz

Konsequenz
Korrekt angewendet führt künstliches Energiewachstum zu nichtphysikalischer Verstärkung von Moden, Stabilitätsverlust, falschen Langzeitstatistiken und möglicher Konvergenzverweigerung des Solvers und untergräbt so die Vorhersagekraft und Fehlerabschätzung.

Umkehrung

Umkehrung
Energieerhaltende oder korrekt dissipative Verfahren erzeugen eine nicht-wachsende diskrete Energie im Einklang mit der Physik; das Gegenbild ist somit numerischer Energieerhalt oder kontrollierte Dissipation statt Wachstum.

Abgrenzung

Abgrenzung
Bezieht sich auf die berechnete Energie in diskreten numerischen Simulationen und gekoppelten Lösern; schließt echte physikalische Energiezufuhr, Parameterdrift, Messfehler oder explizit modellierte stochastische Forcings aus.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Unterscheidet sich vom Modellfehler oder fehlender Physik (die ebenfalls Energiebilanzen verändern können), weil künstliches Wachstum ein numerisches Artefakt der Diskretisierung/Kopplung ist und nicht auf falsch spezifizierte physikalische Forcings zurückgeht; es kann mit Instabilitäten durch nichtlineares Modellverhalten verwechselt werden.

Synthese

Synthese
Künstliches Energiewachstum ist die nichtphysikalische Zunahme der berechneten Energie infolge numerischer Methoden- oder Kopplungsfehler; seine Diagnose erfordert Prüfung der Diskretisierungsstabilität, Invarianten und Arbeitsbilanzen, und seine Behebung stellt physikalisch konsistentes Energieverhalten wieder her.