Definition
Eine zentrale Aussage der Klassenkörpertheorie, die die Artin-Abbildung vom Idealklassen- bzw. Idelenklassengruppe eines globalen Körpers auf die abelisierte Galoisgruppe seiner maximalen abelschen Erweiterung definiert und abelsche Erweiterungen mit offenen Untergruppen der Idelengruppe identifiziert sowie Frobenius-Elemente als Bilder von Idelen kodiert.

Prinzip

Prinzip
Es gibt einen kanonischen Reziprozitätshomomorphismus (Artin-Abbildung), dessen Kern den Normen aus der maximalen abelschen Erweiterung entspricht; diese Abbildung ist fonktoriell für endliche abelsche Erweiterungen und respektiert Zerlegung und Trägheit an Primstellen.

Demonstration

Demonstration
Für den rationalen Körper Q reduziert sich der Satz auf Kronecker–Weber: Jede endliche abelsche Erweiterung von Q liegt in einem zyklotomischen Körper, und die Artin-Abbildung identifiziert Restklassen modulo n mit Frobenius-Automorphismen für Primzahlen, die n nicht teilen.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Artin-Reziprozität auf nichtabelsche Erweiterungen anwenden oder ohne geeigneten Quotienten der Idelengruppe eine Bijektion erwarten; lokale und globale Reziprozitätsaussagen unzutreffend zu vermischen.

Konsequenz

Konsequenz
Vollständige Klassifikation endlicher abelscher Erweiterungen globaler Körper durch Untergruppen der Idelen, Bestimmung von Leitern (Conducern) und Reziprozitätsgesetzen sowie ein Rahmen zur Interpretation abelscher L-Funktionen via Charaktere der Idelenklassengruppe.

Umkehrung

Umkehrung
Die Umkehrperspektive — aus einer gegebenen abelschen Galoisgruppe die Struktur der Idelengruppe zurückzugewinnen — funktioniert im Allgemeinen nicht ohne zusätzliche arithmetische Angaben; nichtabelsche Verallgemeinerungen erfordern andere Konzepte (z. B. den Langlands-Ansatz).

Abgrenzung

Abgrenzung
Gilt für abelsche Erweiterungen globaler (und mit Anpassung lokaler) Körper; liefert keine Beschreibung allgemeiner nichtabelscher Galoisgruppen und ist nicht direkt auf beliebige Ringe oder nicht-globale Basiskörper anwendbar.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung besteht zwischen lokalen Reziprozitätsaussagen an einzelnen Stellen (lokale Klassenkörpertheorie) und der globalen Artin-Reziprozität: dieselbe Frobenius-Idee tritt unterschiedlich in lokalen und globalen Formulierungen auf, weshalb die Unterscheidung wichtig ist.

Synthese

Synthese
Artin-Reziprozität bündelt lokale Frobenius-Aktionen zu einem globalen Homomorphismus von Ideleklassen in die abelisierte Galoisgruppe und schafft so die Klassifikation abelscher Erweiterungen globaler Körper durch arithmetische Untergruppen der Idelengruppe.