Definition
Ein Resultat der Potentialtheorie, das vergleichende Harnack-artige Abschätzungen für positive harmonische Funktionen liefert, die auf einem Teil der Randmenge eines Gebiets verschwinden, und ihr relatives Verhalten in der Nähe des Randes beschreibt.

Prinzip

Prinzip
Wenn zwei nichtnegative harmonische Funktionen in einem Gebiet stetig auf demselben Randstück verschwinden, bleibt ihr Verhältnis unter geeigneten geometrischen Voraussetzungen am Rand beschränkt (oft sogar Hölder-stetig).

Demonstration

Demonstration
In einem Lipschitz- oder NTA-Gebiet in R^n erfüllen zwei positive harmonische Funktionen mit gemeinsamer Nullspur, dass u/v nahe diesem Randstück beschränkt ist; konkret nutzt man Barrieren und Harnack-Ketten für Lösungen der Laplace-Gleichung, um den Vergleich herzustellen.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Anwendung des Prinzips auf vorzeichenwechselnde Funktionen, lediglich subharmonische Funktionen oder auf Gebiete mit fraktalem beziehungsweise sehr unregelmäßigem Rand ohne Überprüfung der geometrischen Voraussetzungen führt zu falschen Aussagen über Randquotienten.

Konsequenz

Konsequenz
Gilt das Prinzip, so liefert es präzise Informationen zum relativen Randverhalten, Kontrolle von Randgrenzwerten und ist ein zentrales Werkzeug zur Identifikation von Martin-Randpunkten sowie zur Gewinnung von Regularitäts- und Eindeutigkeitsaussagen für Randwertprobleme.

Umkehrung

Umkehrung
Versagen die Voraussetzungen (z. B. verschwinden die Funktionen nicht auf demselben Randstück oder fehlt die notwendige Regularität des Gebiets), so existiert keine einheitliche Schranke für das Verhältnis, und man kann beliebig große relative Schwankungen in Randnähe beobachten.

Abgrenzung

Abgrenzung
Gilt für positive harmonische Funktionen (oder allgemein für positive Lösungen gleichmäßig elliptischer Gleichungen), die auf einem gemeinsamen Randstück verschwinden, in Gebieten mit geometrischer Regularität (Lipschitz, NTA); schließt vorzeichenwechselnde Lösungen, unveränderte parabolische Probleme und sehr unregelmäßige Ränder aus.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Das Prinzip wird oft mit dem Hopf-Lemma (punktuelle Aussagen über die normale Ableitung) oder mit inneren Harnack-Ungleichungen verwechselt; der Rand-Harnack-Satz ist ein vergleichendes, randnahes Ergebnis, während Hopf lokal-richtungsbezogen ist.

Synthese

Synthese
Das Rand-Harnack-Prinzip fasst eine vergleichende Regularitätsaussage zusammen: Unter geeigneten Voraussetzungen müssen positive harmonische Funktionen, die gemeinsam auf einem Randstück verschwinden, sich nahe dem Rand proportional verhalten, was beschränkte und oft Hölder-stetige Verhältnisse liefert und die feine Randanalyse ermöglicht.