Definition
Eine metatheoretische Eigenschaft eines deduktiven Systems, die besagt, dass immer wenn das System eine Disjunktion A ∨ B beweist, es entweder A oder B einzeln beweist; dies wird typischerweise von konstruktiven Systemen gefordert.

Prinzip

Prinzip
Konstruktive Beweise einer Disjunktion müssen Informationen enthalten, die aussagen, welcher Disjunkt gilt: Ein Beweis von A ∨ B muss effektiv einen Beweis von A oder einen Beweis von B liefern, statt lediglich ihre gemeinsame Falschheit auszuschließen.

Demonstration

Demonstration
In der intuitionistischen Aussagenlogik oder in bestimmten konstruktiven Typentheorien ergibt sich eine Herleitung von A ∨ B aus einem Beweis-Term, der entweder die linke oder die rechte Injektion in die disjunkte Summe ist; der Term selbst bezeugt, welcher Disjunkt beweisbar ist, und das System beweist diesen Disjunkt.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Zu behaupten, die Disjunktions-Eigenschaft gelte in klassischen Systemen oder für beliebige metatheoretische Kodierungen; oder eine auf Metaebene beweisbare Disjunktion als unmittelbaren Beweis eines Disjunkts ohne internes konstruktives Zeugnis auszulegen.

Konsequenz

Konsequenz
Hat ein System die Disjunktions-Eigenschaft, so lässt sich aus disjunktiven Beweisen konkrete algorithmische Information extrahieren; dies verbessert Programmextraktion und stellt sicher, dass Alternativbeweise nicht bloße nicht-konstruktive Widerspruchsargumente sind.

Umkehrung

Umkehrung
Fehlt die Eigenschaft, so kann das System A ∨ B beweisen, ohne A oder B zu beweisen, typischerweise durch Rückgriff auf nicht-konstruktive Prinzipien wie das ausgeschlossene Dritte oder klassische Argumente.

Abgrenzung

Abgrenzung
Bezieht sich auf die Beweisbarkeit in der Objekttheorie und oft nur auf geschlossene oder arithmetische Formeln; sie behauptet nicht, dass jede metatheoretische Disjunktion in jedem Formalismus ein internes Zeugnis hat und kann in Erweiterungen mit klassischen Axiomen versagen.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung zum Prinzips des ausgeschlossenen Dritten: Dieses erlaubt das Beweisen von A ∨ ¬A ohne Angabe, welche Seite gilt, was dem konstruktiven Anspruch der Disjunktions-Eigenschaft entgegenläuft.

Synthese

Synthese
Die Disjunktions-Eigenschaft fasst die konstruktive Forderung zusammen, dass Beweise von Alternativen informativ sein müssen: Beweist das System A ∨ B, so muss es innerhalb des Systems einen der Disjunkte beweisen und damit eine konkrete Auswahl liefern statt bloßer Nichtwidersprüchlichkeit.